Mich konnten immer Materialien und Ideen begeistern und herausordern. Ihre Möglichkeiten und Grenzen finde ich durch experimentieren, üben, scheitern, lernen, entwickeln.
Das Material seine Farbe, Oberflächenbeschaffenheit, Struktur, Beweglichkeit und Haptik hat immer einen wesentlichen Anteil an der Gestaltung.
Soviel zum Äußeren, Sichtbaren. Im Entwurfsprozess verbindet sich damit der Blick ins Innere, Menschliche, Lebendige. Auf diese Weise – klärend, bewusst – entwickle ich Kleidung die dem Menschen dient.

Aus dem Antrieb heraus, Materialien zu würdigen, bedeutet Nachhaltigkeit für mich auch, Stoffe möglichst vollständig zu verarbeiten.

Daher entwickele ich immer wiederentsprechende Ideen, z.B. Boas aus Wollstreifen, materialgemixte Jacketts usw.

Außerdem arbeite ich gerne mit ausgemusterten, interessanten Textilien wie Tante Gerties Küchengardine oder gewesenen Billardtischbespannungen.

Iris-Marie Sieben
Tischlerin, Gestalterin im Handwerk, Modemacherin

Eines meiner bevorzugten Materialien ist gewalkte Wolle.
Dieses kleidsame und wärmende Naturprodukt knittert kaum, nimmt Schmutz und Gerüche schwer auf, wirkt temperaturregulierend und Feuchtigkeit perlt lange ab.
Damit schützt es uns gleich mehrfach.
Gewalkt heißt, die Wolle wird gestrickt und unter Einwirkung von Feuchtigkeit und Wärme verfilzt. Dadurch zieht sie sich zusammen, wird dichter, verliert die Strickstruktur und erhält ihre charakteristische Oberfläche.
Da ein Kleidungsstück aus Walkwolle dazu neigt ganz leicht unsere Körperform anzunehmen, ist das Anziehen immer wie Nachhause-Kommen.